Montag, Dezember 12, 2005

tour de cologne





tour de cologne





Sonntag unterwegs in Köln. Unserer wunderschönen Lieblingsheimatstadt! Was hatten wir Spaß!

Frau Wunder lässt tief blicken

Ganz genau! Und zwar in mein Inneres. Ich weiß, dass die Zeit reif ist, die Wahrheit ans Licht zu lassen.
Wir machen uns schon zum zweiten Mal in diesem Jahr auf, ein ganz bestimmtes Konzert zu besuchen. Mark Owen, Ja, der Kleine von Take That. Warum auch nicht? Robbie W. mochten wir nie. Aber Mark!
Im Sommer waren wir hin und weg. Von der Musik hatten wir uns sicherheitshalber mal gar nichts erhofft. Wir sind aus reiner Neugier hingegangen. Überraschenderweise war seine Musik richtig gut und er - bezaubernd wie eh und je. Kurzweilig verfiel ich in eine postpubertäre Schwärmerei, aber nach einigen Wochen war ich wieder ganz ich selbst - gefühlskalt und depressiv.
Jetzt steht also das zweite Konzert an, ich erfahre nur zufällig davon. Die Entscheidung ist schnell getroffen. Mein schlagendes Argument gegenüber "Müriam" (Name geändert, Person will nicht erkannt werden): "Wenn es die Möglichkeit gäbe, einmal klein Fräulein Wunder und klein "Müriam" zu treffen, wie würden wir uns selber erklären, niemals zu einem Konzert unserer Teenagerliebe gegangen zu sein, als wir die Möglichkeit hatten?" Überredet. Ich hatte früher nicht die Möglichkeit meiner tristen Heimat zu entfliehen und ein Konzert einer megaultrageilen Boygroup zu besuchen. Ich musste heulend - mit Kuschelteddy im Arm - Thomas Gottschalk gucken, um meinem Mark nahe zu sein.
Die Zeit vergeht wie im Flug und plötzlich ist der Tag da. Ich bin so müde, habe den ganzen Tag gearbeitet und muss mich jetzt innerhalb weniger Minuten stylen. Moment, Hunger! Noch schnell eine Käsestulle. Dann mache ich mich auch schon auf den Weg zu einem nicht ganz unschäbbigen Club in Köln. Um viertel nach sechs sind wir da. Aber wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Es empfängt uns eine Horde Weiber. Die sehen vielleicht komisch aus. So ähnlich wie früher die Kelly-Fans: Pickel, Nasenfahrrad mit Kassengestell, wahrscheinlich noch nie Kontakt zum anderen Geschlecht gehabt, es sei denn, Knutschen mit einem Bravo-Poster zählt dazu. Strange halt. Wir stehen da so in der Schlange und hören zwangsläufig die Unterhaltungen der Anderen mit. Man kennt sich. Das ist eine eingeschworene Gemeinde hier. Dann die Frage des Abends: "Macht ihr alle Konzerte?" Hilfe!!! "Müriam" und ich können uns kaum halten vor lachen. Wie sind die denn drauf? Später haben wir das Vergnügen mit einem der Freaks zu sprechen. Ist gar nicht so teuer wenn man sich das Auto mit vier Mann teilt und von Konzert zu Konzert fährt. Die haben doch nicht mehr alle Latten am Zaun.
Mark ist jetzt bereits zweimal an uns vorbei gegangen (schmacht! er hat uns angelächelt) und wir stellen fest, dass er doch recht klein ist. Aber er hat sich extra ein Cliff auf dem Kopf gebaut, damit wir ihn auch gut sehen können.
Wir stehen so ungefähr in der achten Reihe. Der Raum ist gefüllt - von weiblichen Aggressionen. Stutenbissigkeit wo man nur hinblickt. Einige Mädels haben ihren Freund in der Menge geparkt und ihn mit Digitalkamera ausgerüstet. Die stehen alle blöd rum und versperren uns die Sicht. Schadenfreude: Sie müssen knipsen, währen Madam vorne steht und einen anderen Typen anhimmelt. Wie übel.
Das letzte Konzert war besser - hier kriegt man fast Angst. viele sind müde, jeden Tag der Woche ein Konzert in einer anderen Stadt und dann morgen auch noch nach Hamburg.
Der Knaller ist wohl der alte TT-Hit `Could it be Magic`. Die Meute rastet aus. Ich stehe kurz vor einem Hörsturz, das abartige Weibergekreische nimmt mich ganz schön mit.
Im Bett denke ich noch kurz an den lächelnden Mark und schlafe dann glücklich ein.

Sonntag, Dezember 11, 2005

Sonntag, Oktober 30, 2005

Donnerstag, Oktober 27, 2005

Final Destination: London






Maidstone, Canterbury, London 19.10. – 23.10.05


Von London Gatwick geht es innerhalb einer guten halben Stunde nach Maidstone. Auf der falschen Seite versteht sich. Es ist schon ziemlich spät, aber die liebe Gastmama zaubert trotzdem noch schnell ein Dinner. Mitten in der Nacht. Ich habe eigentlich keinen Hunger. Aber stehen lassen ist wohl keine gute Idee – mmhh, lecker. Aber: Bauchweh im Bett.

Das Haus hat Geheimgänge und wirkt von außen kleiner, als es ist. Ich schlafe in einem goldenen Bett. Fühle mich wie die Prinzessin auf der Erbse. Nebenan schnarcht der indische Papa, ich bin so müde, dass ich mich jetzt schnell in sein Konzert einklinke. Ich schlafe wie ein Stein. Liegt wohl daran, dass die Erbse unter den zwölf Matratzen fehlt.

Morgens ist die indische Mama schon wach und kocht mir einen schweineleckeren Tee – mit indischen Gewürzen und frischem Ingwer. Wir halten erstmal ein Kaffeekränzchen ab. Ich werde über die Familie informiert, die ursprünglich aus Indien stammt, dann aber nach Kenia zog und die es Jahre später nach England verschlagen hat. Zum Frühstück werden feinste indische Köstlichkeiten kredenzt und ich beschließe, jetzt öfter zu kommen. Dann erfahre ich auch, was es mit dem seltsamen Hügel mit Schornstein im Garten auf sich hat. Hier leistet sich nämlich jeder, der was auf sich hält, einen Original 2. Weltkrieg-Luftschutzbunker. Aha.

Nach dem Frühstück geht es kurz nach Maidstone. Nachmittags fahren wir zur Uni nach Canterbury, was in der Grafschaft Kent liegt. Hier darf ich an einem Seminar teilnehmen: Investigations Into The German Language. Was für ein Zufall, dass ich Deutsch studiere. Für heute ist Phonetik angesetzt, eigentlich habe ich dazu gar keine Lust – gähn.

Aber meine verehrten Kommilitonen und Kommilitoninnen, so was habe ich noch nicht gesehen! Besonders die Kölner, jetzt nicht weinen! Im kleinen Raum sitzen neun Leute, alle haben einen Sitzplatz – und damit meine ich einen echten, funktionierenden Stuhl – mit Tisch und freuen sich auf ihr Seminar. Die Leute sind alle gut drauf. Dann kommt der Prof, ist zwar tierisch am ölen, aber klasse. Er begrüßt mich ganz lieb, stellt weiteren deutschen Besuch vor und legt los. Ich habe mich körperlich und geistig schon auf zwei langatmige schwere Stunden eingestellt. Aber es soll alles anders kommen…

In diesen beiden Stunden höre ich deutsche Dialekte, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existieren. Es ist so lustig. Natürlich werde ich ständig nach meiner Meinung gefragt und diene somit als authentisches Anschauungsobjekt. Und ich komme mir so wichtig und allwissend vor – geiles Gefühl. Die Zeit vergeht wie im Flug. In meinem nächsten Leben studiere ich hier. Mama, Papa: Schon mal sparen! Ich glaube, dass Studieren manchmal sogar Spaß machen kann und nicht nur aus Bürokratie besteht.

Danach gehen fast alle zusammen zum K Club. Eine Bar, mitten auf dem Campus, in einem Wohnheim-Hörsaal-Gebäude. Wir sitzen bei ´nem Bierchen und verzähl´n. Hier kommt jeder woanders her, aus Dänemark, Skandinavien, England, Tschechei oder Buxtehude. Jan und Q haben länger in Deutschland gelebt und lassen mich an ihren deutschen Gewohnheiten wie z.B. Marienhof – anscheinend kann man hierbei gut Deutsch lernen (als Mann? Komisch.) teilhaben. Aus einem Bier werden zwei usw. So sitzen wir hier zusammen und die Stunden vergehen. Später am Abend sehe ich mir noch das 10 qm²-Zimmer von Sej an. Das kostet in der Woche Fünfundneunzig Pfund. Ist das krass, oder was? Ich glaube man muss hier krumme Dinger drehen um die ganze Asche fürs Studium zusammenzukriegen. Immerhin ist der Semesterbeitrag bei € 2500,- angesetzt. Oder die Familien werden bei Brot und Wasser im Zelt untergebracht, wahlweise auch im Original 2. Weltkrieg-Luftschutzbunker!

Zu Hause in Maidstone lerne ich den Rest der Familie kennen. Der Chef sitzt im Wohnzimmer und sieht fern. Oder er überlegt sich gerade, was er heute Nacht vorschnarchen soll. Es gibt wieder leckeres Essen. Bin ich froh, dass ich nicht bei waschechten Engländern bin und Schafsgehirnkuchen mit Gravy und Blutwurstpudding essen muss. Es gibt ein feines Chickencurry mit Kichererbsen, selbst gebackenen Chapati und mit scharf, aber ohne Besteck. Feine Sache. Ich darf nicht beim Spülen helfen. Ist ja auch nicht so viel, Besteck muss ja keins gespült werden. Auch gut. Geh´ ich halt fernsehen.

Nächster Tag. Sehr früh. Viel zu früh. Wir sitzen im Zug und ich bin so müde. Einige Leute haben sich für den heutigen Tag richtig rausgeputzt. Schön mit Jogginganzug, fetten Goldketten und so. Tres chic sag´ ich da nur.

Endlich bin ich hier und muss mich nie wieder schämen. Die erste Aufgabe ist, meinen Onkel zu finden. Das gestaltet sich schwieriger als geplant. Erstmal warten wir eine Stunde in der Nähe des Trafalgar Square. Dann schaffen wir es, Verbindung aufzunehmen. Als wir uns dann endlich finden, kann die Tour starten.

Big Ben, aha. Buckingham Palace, oh ja. Tower Bridge, uiuiui. London Dungeon, oho. London Bridge, aber nicht das Original denn dieses steht mittlerweile in Arizona. Kein Scheiß. Stundenlang entlang der Themse, zum Schluss St. Pauls Cathedrale. Dann sind wir auch schon vier Stunden vergangen, unsere Füße müde und der Magen hängt uns in den Kniekehlen. Wir versuchen uns mal wieder im U-Bahnfahren. Ich schalte mein Gehirn aus und überlasse das Denken den anderen. Wir essen in einem portugiesischen Restaurant. Leider gibt´s nur Huhn, ich hoffe es ist alt und zäh und noch nicht mit der Hühnerpest verseucht, die es laut Daily Mirror-Schlagzeile seit gestern hier gibt. Trotzdem lecker. Eigentlich wollten wir noch zur Oxford Street richtig was einkaufen. Aber wenn mir keiner sagt, dass die Geschäfte so früh schließen! Selber Schuld. Ich werde mein Geld ja morgen am Flughafen ausgeben. Der Wein hier ist lecker. Also trinken und quatschen wir.

Dann müssen wir nach Hause, man ist müde und die Familie wartet. An so was bin ich nicht mehr gewöhnt. Aber ich will dem Chef ja nicht auf der Nase rumtanzen. Aber vielleicht schnarcht der auch schon wieder fröhlich vor sich hin. Lassen wir ihn trotzdem im Glauben, er sei der Boss.

Ich habe beschlossen, dass ich wiederkomme. Das nächste Mal will ich aber länger in London selbst bleiben. Schrecklich, jedes Mal wenn ich länger mit diesen Briten zu tun habe, entwickle ich diesen britischen Akzent. Gut, dass mich hier niemand kennt. Aber ist bestimmt auch lustig.
Der Chef holt uns vom Bahnhof ab. Er sitzt still im Auto und hört Bollywood-Musik. Tut mir leid Papa, aber irgendwie muss ich an dich denken und stelle mir vor, wie du im Auto indisches Gedudel hörst.

Was für ein Tag! Mal ebenso die Verwandtschaft aus Los Angeles in London getroffen. Ich schlafe ewig. Morgens gibt es Mittagessen, weil es nämlich gar nicht mehr Morgen ist. Dann steht die Verabschiedung von der Familie an. Die sind Zucker. Ich lass mich adoptieren, aber nur für die Male, die ich in England bin. Dann krieg ich noch ein Abschiedsgeschenk. Ein traditionelles indisches Oberteil. Hab ich mich so gut geschickt? Dann brauch ich mir ja keine Gedanken zu machen. Ich darf sogar wiederkommen. Ihr wisst ja nicht, wie ernst ich dieses Angebot nehme. Ich werde früher wieder hier sein, als euch lieb ist. Aber sie sagen, dass sie sich freuen würden, wenn ich bald wiederkäme. Wie gesagt, ich nehme euch beim Wort. Mein nächster Besuch ist schon in Planung.

Natürlich hat der Flieger Verspätung, wie immer. Also bleibt mir nix anders übrig, als mir die Zeit mit dem Einsatz meiner Kreditkarte zu vertreiben. Das Flugzeug sollte jetzt besser kommen – vor lauter Tüten fallen mir sonst noch die Arme ab. Und das sähe sicher blöd aus. Es kommt. Habe Glück, kann alleine sitzen. Vor mir sitzt so ein kleiner Rotzlöffel, in der Blüte seiner Pubertät, so richtig mit fiesen Pickeln. Der betreibt heimlich und mit Unterstützung seines Loser-Vaters ein GPRS-Gerät. Und ich mache meinen MP3-Player brav aus, wenn ich dazu aufgefordert werde. Ich frage mich wozu. Blödmann da vorne. Ich überlege, ob ich ihn verpetzen soll. Ha ha, das wär lustig, aber leider kann man die ja nicht aus dem Flugzeug werfen. Dann lass ich es.

Montag, September 26, 2005

Manchester 21.09.-24.09.

Abends angekommen bezieht man erst mal das Zimmer. Dieses befindet sich im fünften Stock. Es gibt einen Aufzug, aber den dürfen wir nicht benutzen. Macht nix, bin ja selbst schuld, dass ich 15 Kilo Gepäck mit habe. Das Zimmer besteht aus einem wackligen Etagenbett. Eine Lampe an der Decke. Durch diese spärliche Grundausstattung kommt einem das kleine Ikeanachtischchen verschwenderisch vor. Ja, es scheint arrogant. Es gibt auch zwei Fenster, die sogar geschlossen so viel Lärm hereinlassen, dass wir ohne Ohropax kaum schlafen können. Man hört mindestens zwei Mal in der Stunde die Polizei oder Feuerwehr; die scheinen nachts häufiger gebraucht zu werden als tagsüber.

Am ersten Morgen wollen wir einen Ausflug nach Chinatown machen und von da aus dann durch Manchester wandern. Es geht, ohne Frühstück, das man sich in der Küche des Hostels machen kann – es gibt `toast and butter and tea for free`- was aber einfach nur eklig aussieht, vor allem der 5 kg-Butter-Eimer, in der wahrscheinlich jeder Hostelgast der letzten Monate mal mit seinem Messer oder Finger drin rumgebohrt hat, los. Aber ums Essen braucht man sich keine Gedanken zu machen. In Manchester findet man alles, abgepackt im Supermarkt.

Wir also auf dem Weg nach Chinatown. Man muss nur die Newton Street runter, ab und zu nach rechts schauen, mit der Zeit tauchen dann immer mehr Chinesen auf und dann ist man irgendwann da. Zugegeben, es ist nicht besonders groß, aber die haben einen eigenen Triumphbogen. Oh la la, das nennt man hier Chinese Arch.

Dann kurz durch die Peace Gardens, eher ein kleines Gärtchen, dann ein paar Schritte und man steht auf dem Platz vor der Town Hall. Waterhouse, ein Architekt aus Manchester, entwarf das neo-gotische Gebäude. Die Town Hall wurde im Jahre 1877 eröffnet. Ein freundliches Schild mit der Aufschrift: „Come in and have a look around“ lädt zum Verweilen ein. Halt! So einfach geht das auch wieder nicht. Erstmal hier unterschreiben, da Adresse hinterlassen und man hat eine Copyright-Erklärung ausgefüllt und man darf knipsen. Dann gibt es noch einen Besucherausweis im schicken Plastikmäntelchen zum Anhängen. Endlich geht’s los. Das Gebäude ist sehr eindrucksvoll, es gibt fast 1000 Räume, 2000 Fenster, 2,5 Meilen Korridor und 4.500 yards Mamorfußboden. Die Engländer haben´s ja! Also, was soll´s!

Wir stürmen quer durch den ersten Stock, in allen Räumen finden Dinner zu bestimmten Anlässen statt. Leider kann ich meinen Bruder nicht dazu überreden, dem Komitee gegen „forced marriages“ beizutreten.
Auf dem Fußboden sieht man Mosaike mit Baumwollblüten und fleißigen Bienchen, beides Symbole für den industriellen Werdegang Manchesters.

Wieder draußen sitzen wir auf einer Bank und beobachten Menschen. So langsam könnte mal was gegessen werden. Also schnell ein Sub abgreifen und weiter zum St. Peters Square. Der Plan sieht folgendermaßen aus: Metroticket kaufen (in Manchester gibt´s ganze 2 Bahnlinien), Metro fahren bis zu den Salford Quays. Denn hier steht das Lowry. Ein riesiges Kunstzentrum, mit Theater und Galerien. Lowry war ein Künstler aus Salford und nach diesem ist eben das Lowry benannt.
In der Galerie haben wir uns einen Film über Lowry (gesprochen übrigens [lauri]) angesehen, brav ein paar Pfund zum Erhalt der Galerien gespendet und dann Lowry´s Bilder angesehen. Er beschäftigte sich viel mit dem industriellen Geschehen rund um Manchester.

Später gehen wir dann an den Quays spazieren. Manchester ist von Kanälen durchzogen, da man früher nicht über Liverpool verschiffen wollte, dies war zu teuer, so baute man kurzerhand eine eigene Wasserstraße zum Fluss bzw. Ozean. Für so eine große Stadt ist es hier sehr still, fast mucksmäuschenstill. Heimlich beobachten wir einen anderen Gast aus dem Hostel, der schleicht hier herum und macht mit seiner winzigen Digitalkamera und einem riesigen Stativ Bilder von sich selbst.

Auf dem Weg zur Metro zurück sehen wir einige Jungs in Badehosen und unser Eindruck, dass sie hier ins brackige Kanalwasser springen, ist nicht falsch. „But it´s freezing cold.“

Abends geht’s noch mal in die Stadt, Richtung Kathedrale. Der Plan, ins Pub zu gehen, wird umgeworfen und stattdessen gehen wir ins Kino. Hier sieht alles sehr amerikanisch aus, riesige Gebäude, ein Mega-Store am nächsten, riesige blinkende Leuchtreklame überall, wir finden´s toll. Im Kino entscheiden wir uns für `Green Street Hooligans`. Ein Drama mit Elijah Wood, der als junger Kerl in die Hooliganszene abrutscht. Kein uninteressantes Thema in England und in der Fußballstadt Manchester. Der Film war: Geil-o-mat. Man darf nicht zimperlich sein, es spritzt viel Blut und es stirbt auch der ein oder andere. (siehe auch: http://www.greenstreethooligans.com)

Im Hostel teste ich die Duschen. Ich bin nicht besonders anspruchsvoll und wasche mich auch schon mal kalt. Die Warmwasserversorgung ist noch nicht ganz ausgereift, aber wer braucht in Vollplastikduschen schon warmes Wasser? Auch Zähneputzen funktioniert bei mir mit eiskaltem Wasser. Mischbatterien gibt´s hier nämlich nicht. Warm- und Kaltwasserhahn sind so dicht am Beckenrand und so weit auseinander angebracht, dass es fast unmöglich ist, überhaupt die Hände darunter zu halten.

Freitag. Ich befinde mich in Old Trafford. Das hört sich nicht spektakulär an? Na hör´ mal! Hier wird gekickt (Gott sei Dank erst morgen), im Stadion von Manchester United und ich bin mittendrin. Habe mittlerweile auch schon neun Pfund für eine Führung bezahlt. Als Deutscher muss man ja einen bleibenden Eindruck hinterlassen und immer noch berauscht vom Kinofilm stelle ich die blödeste Frage und erkundige mich nach Hooligans. Antwort – unbefriedigend. Ich wollte was Spannendes, was Schreckliches hören. Weiter geht’s. 65.000 Plätze und zwar nur Sitzplätze. Bald kommen noch 8.000 dazu. Wir sehen alle möglichen Lounges für Leute mit richtig viel Asche. Die Kantine der Spieler, den Verdauungsraum der Spieler und dann sitzen wir in der verschwitzen Umkleide von ManU. Klasse. Alle machen Fotos, ich nicht. Dann passiert das Unglück. Da ist so ein junger Papa mit seinem Sohn, ungefähr drei Jahre alt. Der hat sich vor lauter Aufregung in die Hose gemacht. Wir müssen ein bisschen lachen. Aber dann kriegt der Kleine voll Ärger. Blöder Papa! Vorher hat der Zwerg brav für Fotos posiert und jetzt? Der wollte sicher nicht hierhin.
Nach der Führung geht’s noch ins Museum. Meine Füße sind müde und ich suche mir ein Plätzchen zum Relaxen. Dann entdecken wir was ganz Tolles! Man kann hier selbst ein Spiel kommentieren, das wird aufgenommen und später kann man sich das Ganze auf einem großen Bildschirm ansehen. Mach ich natürlich. Ist klasse, meine Kommentare vielleicht etwas unpassend, weil ich ja gar keine Ahnung von der Materie habe. Gut, ich weiß was ein Tor ist. Aber mein Bruder lacht sich schlapp. Genug Fußball für heute? Nee, für die nächsten Jahre.

Ab in die Stadt. Eigentlich wollen wir shoppen, landen dann aber durch Zufall in einem Pub. Und da müssen wir natürlich ein Bier trinken. Es ist voll, richtig schön kuschelig hier. Ich hab dann auch schnell einen sitzen. Das hat zur Folge, dass bei unserem späteren Besuch in einem Laden was zu Bruch geht. Ups. Aber: ich war´s doch gar nicht. Hier spukt´s doch überall. Wir erleben noch den schlechtesten Service der Welt bei Pizza Hut und wanken dann zum Hostel. Erst mal schlafen.

Das letzte Ziel ist die Kathedrale von Manchester. Mal wieder ungestärkt vom lecker `free toast´ geht’s los. Kirche gesehen, nichts Besonderes. Wir spazieren durch die Stadt und landen irgendwann in einem Laden. Da ist die Hölle los. Wie Karneval in Köln am Alter Markt. Ohne Quatsch, hier ist ganz Manchester drin. Die Schlangen an den Kassen sind ungelogen mindestens acht Kilometer lang. Wahnsinn. Aber das Unglaubliche daran ist, dass es hier nur Scheiß gibt. Was kaufen die bloß? Und sie kaufen alle. Jeder in der Stadt hat eine bis zu zehn Tüten dieses Ladens in der Hand.

Jetzt sind wir am Flughafen und warten. Alexander hat sich noch die Daily Sport gekauft, handelt sich aber wohl eher um eine Porno-Zeitung. Die liegt jetzt in der Bahn, hat er wohl vergessen. Nebenan stehen zwei einladende Massagesessel und ich höre sie leise meinen Namen rufen.
Eine Meinung zu Manchester haben wir jetzt auf jeden Fall. Man könnte sie mit schön, hässlich und interessant beschreiben. Es ist auch dreckig hier. Es müffelt überall. Hunde gibt´s keine. Find ich super. In manchen Restaurants kleben die Tische und Müll schmeißt man wohl einfach auf die Straße. Gesund sehen die Leute auch nicht aus. Ist auch kein Wunder, hier gibt´s ja nur abgepacktes Essen und das ist abends in fast allen Supermärkten ausverkauft. Hier scheint wohl niemand zu kochen.
Bald geht´s nach London, ich freu mich schon und natürlich checke ich dann für euch die Szene ab.

Abschließen möchte ich mit den großartigen Worten meines Vorbildes:

That´s not my cup of tea.



Samstag, September 10, 2005


Der Krieg liegt zwei Flugstunden
oder zwölf Autostunden
vor meiner Haustür aber als Fußgänger
benötigt man erheblich länger
Da latscht man sich die Füße blutig
Danke für die Einladung
doch das ist mir zu weit

aus: Max Goldt. 2003: Für Nächte am offenen Fenster.

Freitag, September 09, 2005

Ist schon spät...

und deshalb kommt jetzt auch nichts mehr.