Am ersten Morgen wollen wir einen Ausflug nach Chinatown machen und von da aus dann durch Manchester wandern. Es geht, ohne Frühstück, das man sich in der Küche des Hostels machen kann – es gibt `toast and butter and tea for free`- was aber einfach nur eklig aussieht, vor allem der 5 kg-Butter-Eimer, in der wahrscheinlich jeder Hostelgast der letzten Monate mal mit seinem Messer oder Finger drin rumgebohrt hat, los. Aber ums Essen braucht man sich keine Gedanken zu machen. In Manchester findet man alles, abgepackt im Supermarkt.
Wir also auf dem Weg nach Chinatown. Man muss nur die Newton Street runter, ab und zu nach rechts schauen, mit der Zeit tauchen dann immer mehr Chinesen auf und dann ist man irgendwann da. Zugegeben, es ist nicht besonders groß, aber die haben einen eigenen Triumphbogen. Oh la la, das nennt man hier Chinese Arch.
Dann kurz durch die Peace Gardens, eher ein kleines Gärtchen, dann ein paar Schritte und man steht auf dem Platz vor der Town Hall. Waterhouse, ein Architekt aus Manchester, entwarf das neo-gotische Gebäude. Die Town Hall wurde im Jahre 1877 eröffnet. Ein freundliches Schild mit der Aufschrift: „Come in and have a look around“ lädt zum Verweilen ein. Halt! So einfach geht das auch wieder nicht. Erstmal hier unterschreiben, da Adresse hinterlassen und man hat eine Copyright-Erklärung ausgefüllt und man darf knipsen. Dann gibt es noch einen Besucherausweis im schicken Plastikmäntelchen zum Anhängen. Endlich geht’s los. Das Gebäude ist sehr eindrucksvoll, es gibt fast 1000 Räume, 2000 Fenster, 2,5 Meilen Korridor und 4.500 yards Mamorfußboden. Die Engländer haben´s ja! Also, was soll´s!
Wir stürmen quer durch den ersten Stock, in allen Räumen finden Dinner zu bestimmten Anlässen statt. Leider kann ich meinen Bruder nicht dazu überreden, dem Komitee gegen „forced marriages“ beizutreten.
Auf dem Fußboden sieht man Mosaike mit Baumwollblüten und fleißigen Bienchen, beides Symbole für den industriellen Werdegang Manchesters.
Wieder draußen sitzen wir auf einer Bank und beobachten Menschen. So langsam könnte mal was gegessen werden. Also schnell ein Sub abgreifen und weiter zum St. Peters Square. Der Plan sieht folgendermaßen aus: Metroticket kaufen (in Manchester gibt´s ganze 2 Bahnlinien), Metro fahren bis zu den Salford Quays. Denn hier steht das Lowry. Ein riesiges Kunstzentrum, mit Theater und Galerien. Lowry war ein Künstler aus Salford und nach diesem ist eben das Lowry benannt.
In der Galerie haben wir uns einen Film über Lowry (gesprochen übrigens [lauri]) angesehen, brav ein paar Pfund zum Erhalt der Galerien gespendet und dann Lowry´s Bilder angesehen. Er beschäftigte sich viel mit dem industriellen Geschehen rund um Manchester.
Später gehen wir dann an den Quays spazieren. Manchester ist von Kanälen durchzogen, da man früher nicht über Liverpool verschiffen wollte, dies war zu teuer, so baute man kurzerhand eine eigene Wasserstraße zum Fluss bzw. Ozean. Für so eine große Stadt ist es hier sehr still, fast mucksmäuschenstill. Heimlich beobachten wir einen anderen Gast aus dem Hostel, der schleicht hier herum und macht mit seiner winzigen Digitalkamera und einem riesigen Stativ Bilder von sich selbst.
Auf dem Weg zur Metro zurück sehen wir einige Jungs in Badehosen und unser Eindruck, dass sie hier ins brackige Kanalwasser springen, ist nicht falsch. „But it´s freezing cold.“
Abends geht’s noch mal in die Stadt, Richtung Kathedrale. Der Plan, ins Pub zu gehen, wird umgeworfen und stattdessen gehen wir ins Kino. Hier sieht alles sehr amerikanisch aus, riesige Gebäude, ein Mega-Store am nächsten, riesige blinkende Leuchtreklame überall, wir finden´s toll. Im Kino entscheiden wir uns für `Green Street Hooligans`. Ein Drama mit Elijah Wood, der als junger Kerl in die Hooliganszene abrutscht. Kein uninteressantes Thema in England und in der Fußballstadt Manchester. Der Film war: Geil-o-mat. Man darf nicht zimperlich sein, es spritzt viel Blut und es stirbt auch der ein oder andere. (siehe auch: http://www.greenstreethooligans.com)
Im Hostel teste ich die Duschen. Ich bin nicht besonders anspruchsvoll und wasche mich auch schon mal kalt. Die Warmwasserversorgung ist noch nicht ganz ausgereift, aber wer braucht in Vollplastikduschen schon warmes Wasser? Auch Zähneputzen funktioniert bei mir mit eiskaltem Wasser. Mischbatterien gibt´s hier nämlich nicht. Warm- und Kaltwasserhahn sind so dicht am Beckenrand und so weit auseinander angebracht, dass es fast unmöglich ist, überhaupt die Hände darunter zu halten.
Freitag. Ich befinde mich in Old Trafford. Das hört sich nicht spektakulär an? Na hör´ mal! Hier wird gekickt (Gott sei Dank erst morgen), im Stadion von Manchester United und ich bin mittendrin. Habe mittlerweile auch schon neun Pfund für eine Führung bezahlt. Als Deutscher muss man ja einen bleibenden Eindruck hinterlassen und immer noch berauscht vom Kinofilm stelle ich die blödeste Frage und erkundige mich nach Hooligans. Antwort – unbefriedigend. Ich wollte was Spannendes, was Schreckliches hören. Weiter geht’s. 65.000 Plätze und zwar nur Sitzplätze. Bald kommen noch 8.000 dazu. Wir sehen alle möglichen Lounges für Leute mit richtig viel Asche. Die Kantine der Spieler, den Verdauungsraum der Spieler und dann sitzen wir in der verschwitzen Umkleide von ManU. Klasse. Alle machen Fotos, ich nicht. Dann passiert das Unglück. Da ist so ein junger Papa mit seinem Sohn, ungefähr drei Jahre alt. Der hat sich vor lauter Aufregung in die Hose gemacht. Wir müssen ein bisschen lachen. Aber dann kriegt der Kleine voll Ärger. Blöder Papa! Vorher hat der Zwerg brav für Fotos posiert und jetzt? Der wollte sicher nicht hierhin.
Nach der Führung geht’s noch ins Museum. Meine Füße sind müde und ich suche mir ein Plätzchen zum Relaxen. Dann entdecken wir was ganz Tolles! Man kann hier selbst ein Spiel kommentieren, das wird aufgenommen und später kann man sich das Ganze auf einem großen Bildschirm ansehen. Mach ich natürlich. Ist klasse, meine Kommentare vielleicht etwas unpassend, weil ich ja gar keine Ahnung von der Materie habe. Gut, ich weiß was ein Tor ist. Aber mein Bruder lacht sich schlapp. Genug Fußball für heute? Nee, für die nächsten Jahre.
Ab in die Stadt. Eigentlich wollen wir shoppen, landen dann aber durch Zufall in einem Pub. Und da müssen wir natürlich ein Bier trinken. Es ist voll, richtig schön kuschelig hier. Ich hab dann auch schnell einen sitzen. Das hat zur Folge, dass bei unserem späteren Besuch in einem Laden was zu Bruch geht. Ups. Aber: ich war´s doch gar nicht. Hier spukt´s doch überall. Wir erleben noch den schlechtesten Service der Welt bei Pizza Hut und wanken dann zum Hostel. Erst mal schlafen.
Das letzte Ziel ist die Kathedrale von Manchester. Mal wieder ungestärkt vom lecker `free toast´ geht’s los. Kirche gesehen, nichts Besonderes. Wir spazieren durch die Stadt und landen irgendwann in einem Laden. Da ist die Hölle los. Wie Karneval in Köln am Alter Markt. Ohne Quatsch, hier ist ganz Manchester drin. Die Schlangen an den Kassen sind ungelogen mindestens acht Kilometer lang. Wahnsinn. Aber das Unglaubliche daran ist, dass es hier nur Scheiß gibt. Was kaufen die bloß? Und sie kaufen alle. Jeder in der Stadt hat eine bis zu zehn Tüten dieses Ladens in der Hand.
Jetzt sind wir am Flughafen und warten. Alexander hat sich noch die Daily Sport gekauft, handelt sich aber wohl eher um eine Porno-Zeitung. Die liegt jetzt in der Bahn, hat er wohl vergessen. Nebenan stehen zwei einladende Massagesessel und ich höre sie leise meinen Namen rufen.
Eine Meinung zu Manchester haben wir jetzt auf jeden Fall. Man könnte sie mit schön, hässlich und interessant beschreiben. Es ist auch dreckig hier. Es müffelt überall. Hunde gibt´s keine. Find ich super. In manchen Restaurants kleben die Tische und Müll schmeißt man wohl einfach auf die Straße. Gesund sehen die Leute auch nicht aus. Ist auch kein Wunder, hier gibt´s ja nur abgepacktes Essen und das ist abends in fast allen Supermärkten ausverkauft. Hier scheint wohl niemand zu kochen.
Bald geht´s nach London, ich freu mich schon und natürlich checke ich dann für euch die Szene ab.
Abschließen möchte ich mit den großartigen Worten meines Vorbildes:
That´s not my cup of tea.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen