Dienstag, Januar 13, 2009

Die Unmöglichkeit eines Referendargehalts

Seit fast einem Jahr befinde ich mich in meiner persönlichen Finanzkrise. Das mickrige Gehalt, das mir mein Arbeitgeber jeden Monat überweist, reicht vorne und hinten nicht. Ich trage so viel Verantwortung in meinem Job und erhalte dafür keinerlei Ausgleich. Mal ganz davon abgesehen, dass Vertretungsstunden an der Tagesordnung stehen, sie offiziell nicht abgeleistet werden dürfen, aber man seine Schule nicht hängen lässt.
Auch wenn ich manchmal schon mittags zu Hause bin, ich sehe total abgekämpft aus und brauche ganz viel Schlaf. Den kriege ich nicht, da ich jede freie Minute Unterricht oder Unterrichtsbesuche, Beratungsgespräche oder Seminarsitzungen, Examensarbeiten oder weiß der Teufel was vorbereite. In meiner eigentlichen Freizeit bin ich dann so fertig, dass man mich als Sozialkontaktperson total vergessen kann.
In den Weihnachtsferien habe ich sieben extra Stunden an der Auswertung der Hamburger Schreibprobe gesessen und mich gefragt, wieviele unterschiedliche Diagnosetools ich im nächsten Jahr noch kennenlernen und für unsinnig befinden werde. Zwei ganze Male habe ich es geschafft, feiern zu gehen, so wie in alten Zeiten. Denn Ausgehen steht seit Februar 2008 nicht mehr auf meiner Prioritätenliste, zu viele andere Dinge zu tun und finanziell nicht möglich.
Zu Beginn des Referendariats hatte ich die tolle Idee etwas für meine Altersvorsorge zu tun; Riester, Vermögenswirksame Leistungen, Bausparen, Ansparplan und wie sie alle heißen, diese Belastungen belasten monatlich nicht nur mein Konto sondern auch mein Gewissen. Ich habe mich bereits damit abgefunden, dass ich noch ein ganzes Jahr in ollen Klamotten rumlaufen werde, aber damit, dass mein Freund mir wöchentlich den Kühlschrank füllt und die Eltern die Stromrechnung zahlen überhaupt nicht. Das schlechte Gewissen und das Soll auf meinem Konto wachsen stetig an.
Mir graut es schon vor der Stromabrechnung vom letzten Jahr, denn passend zu meiner Situation musste ja alles teuer werden und der Winter so gemein kalt. Ich bin im letzten Jahr zum absoluten Heizungs-Strom-Getränke-Geizkragen mutiert. Konkret bedeutet das, geheißt wird nur dann, wenn man den Atem in der Wohnung sehen kann, nachts und wenn ich nicht da bin bleibt sie ohnehin aus. Licht? Geht auch ohne, die Sonne geht ja immer später unter. Stand-By ist mein persönlicher Feind. Wasser, geht auch aus dem Hahn.
Ehrlich gesagt habe ich mir so ein Leben als Akademiker nicht vorgestellt. Ich bin sehr gefrustet und habe keine Idee, was ich tun könnte um diesem Teufelskreis zu entkommen. Nebenjobs sind in meinem beruflichen Metier nicht so gerne gesehen.

4 Kommentare:

Regina Regenbogen hat gesagt…

Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Da denkt man, wenn man mit der Uni fertig ist kann man sich endlich mal mehr leisten und ein bisschen auf die Kacke hauen, und dann... Aber halte durch, das Ende ist ja absehbar und dann wird alles besser. Mit diesen klugen Sprüchen halte ich mich über Wasser. :-)
Übrigens, schönes neues Blog-Outfit. Vielleicht kannst Du es aufnehmen, wenn Dein Mann Klavier spielt und mir das schicken?! :-D

Anonym hat gesagt…

Schöne Seite, viel toller als das Gruftischwarz.
Lass den Kopf nicht hängen, bin ja auch bald bei dir im Club der armen Referendare.

sushibaer hat gesagt…

könnte ich geschrieben haben, außer, dass meine eltern anstatt meine stromrechnung zu zahlen, mir jetzt noch eine lebensversicherung überschrieben haben, die ich jetzt selbst zahlen soll. how???

ich muss verrückt sein, nach köln zu ziehen. aber ich gewöhne mich daran, von steffen abhängig zu werden und mitte/ende des monats nur noch kartoffeln mit quark zu essen.

bald sind wir leidensgenossen UND nachbarn. naja...fast :-)

drück dich,
S.

Frolleinwunder hat gesagt…

dann können wir ja zusammen kartoffeln mit quark essen. wir fahren abwechselnd in die eifel (natürlich am we und mit einem studenten, denn die können uns auf ihrem studiausweis für umme mitnehmen) und decken uns da mit essen ein. ref sucks verdammich.