Donnerstag, Mai 03, 2007

In der Großstadt kann man fast unbemerkt sterben...

Frau K., die beste Freundin meiner 90igjährigen Nachbarin Frau W. ist tot. Jetzt will Frau W. auch nicht mehr leben. Aber das will sie schon seit sieben Jahren nicht mehr, seit ich sie kenne spricht sie davon. Sie hat jetzt niemanden mehr. Donnerstags gingen sie immer Pommes essen, jeden Tag zusammen spazieren, Bahn fahren und zur Gesangsstunde.
In der bösen großen anonymen Stadt habe ich nichts davon mitbekommen. Am Donnerstag wollten die beiden Damen wie üblich spazieren gehen, Frau K. war es zu heiß, sie blieb lieber zu Hause. Tags drauf bemerkten aufmerksame Nachbarn, dass sich in ihrer Wohnung nichts mehr rührte, sie ging weder ans Telefon noch an die Tür. Frau W. und eine besorgte Nachbarin fassten sich ein Herz und gingen in die Wohnung. Frau K. lag tot in der Badewanne, mit Klamotten, ohne Wasser, ihr Kopf muss ganz rot gewesen sein und der Mund geöffnet. Es war heiß, weiter will ich gar nicht darüber nachdenken. Die Kriminalpolizei war sogar da und man schließt einen Mord nicht ganz aus.
Frau W. war völlig fertig und kann nicht zur Beerdigung. Die Arme kann von ihrer Wohnung aus direkt auf die von Frau K. gucken, in der sich nichts mehr rührt. Letzte Woche bin ich noch mit den beiden nach Hause gegangen.

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