Hilfe! Ich bin auf eine ueberdimensionalen Klassenfahrt gelandet. Komme morgens um viertel vor sieben auf dem Flughafen in Sydney an und dieser ist vollgepackt mit WJD-Pilgern. Die haben es sich zur Aufgabe gemacht, im Weg rumzustehn, Gepaeck im Weg liegen zu lassen und viel zu frueh am Morgen schon gut gelaunt zu sein. Soweit so gut. In meinem Flieger sieht es aber noch viel schlimmer aus. Das ganze Flugzeug ist voll mit denen. Zugegeben, ein paar Koreaner sind auch noch an Bord, aber irgendwie zaehlen die nicht. Vor mir Pilger, hinter mir Pilger und neben mir: Pilger. Was die Sache aber so schlimm macht, das sind alles Teenager, amerikanische Teenager. Alle sind erkaeltet, niesen rum, dass man schon nicht mehr von Troepfcheninfektion sprechen kann. Direkt neben mir sitzt Luis, der kaut mit offenem Mund, so, dass es richtig schoen schmatzt. Macht nichts, ich habe ja Oropax mit. Nichts wie rein damit, aber da habe ich nicht mit seinem lauten Lachen zu 'Americas funniest Homevideos' gerechnet, dringt trotz echt fest sitzender Ohrstoepsel an Hammer, Ambos und Co. Gerne trommelt er auch auf seinem Ausklapptisch rum. Die Armlehne habe ich mir schon abgeschminkt, da sein Arm fast auf mir haengt und alle paar Minuten ruepelhafte Beruehrungen stattfinden. Ich schmiege mich ans Fenster, ziehe mir den Schal vor Mund und Nase, setze meine Schlafbrille auf und uebe mich in Geduld. Elf Stunden koennen ganz schoen lang sein. Die erste Mahlzeit haben wir hinter uns, aber es schmatzt und schmatzt und schmatz neben mir weiter, mit offenem Mund versteht sich. Und es niest, so mit Rotz gegen den Vordersitz. Ich ekel mich. Gerade bin ich eingeschlafen, auf diesem Flug uebrigens mal ganz ohne Schlaftabletten, da bruellt es neben mir los. Zwei Reihen vor uns sitzt seine Angebetete. Es werden kleine Briefchen geschrieben und hin und her geworfen, nicht ohne dies vorher lautstark anzukuendigen. Die armen Menschen, die genau dazwischen sitzen. Dann ist es an der Zeit Plaetze zu tauschen. Baeumchen wechsel dich! Waehrend der elf Stunden muss ich mal aufs Oertchen. Ich kaempfe mich durch pubertierende Pilgermassen zum WC durch. Warte ziemlich lange, bis sich dort die Tuer oeffnet. Es ueberrascht mich dann auch nicht, als zwei daemlich grinsende Jungs rauskommen, der Spiegel demoliert aussieht und die Sicherheitsaufkleber zum Lueftungssystem des Fliegers angeknibbelt sind. Weil ich so genervt bin, bestelle ich mir zum Dinner ein Bier. Und was servieren die Saecke? VB! Tom, kannst du dir das vorstellen? Wir haben dieses Bier doch immer Very Backpacker genannt, weil es das Billobier ist und man ausnahmsweise mal keinen Goon trinken wollte. Bevor wir dann auf Coopers und Penfolds umgestiegen sind und Dan Murphys unser Lieblingsort wurde. Ich habe das Bier dann runtergekippt zu meinem ersten Bi-Bim-Bap, dem koreanischen Traditionsgericht. War ganz lecker, das Essen. Nach diesem Bier hatte ich einen sitzen. 45 Minuten spaeter bin ich in Seoul gelandet. An dieser Stelle moechte ich noch kurz anmerken, dass es sich bei Luis um kein Einzelschicksal handelt.