Mittwoch, Juni 21, 2006

Das Tor steht in der Mitte. (Franz Beckenbauer)

Der Ball ist rund

Jetzt hat mich das Fußballfieber auch gepackt. Ich habe so viele Spiele gesehen, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Mein Trickot hat die Nummer 13, war in Köln beim Stadion, habe den Kaiser gesehen, bin in ein englisch-deutsches Gefecht geraten (dazu schreibt der Express heute: Vor dem Anpfiff hatten sich in der Innenstadt deutsche und englische Fans mit Flaschen beworfen. Die Polizei konnte die Akteure in der Nähe des Alter Markt aber schnell trennen.), habe mit tausenden Schweden gefeiert und besitze einen Spielplaner, der regelmäßig mit neuen Daten gefüllt wird. Verrückt, oder?

Donnerstag, Juni 01, 2006

Univision



Da die Towers of London abgesagt hatten, war mein Abend eigentlich ruhig zu Hause geplant. Anna hat mich aber dann doch überredet mit zu einer Ausstellungseröffnung zu gehen. Im BBK stellen Studenten der Uni Köln noch bis Ende Juni ihre Werke aus. Da sind einige tolle Sachen drunter. Wir konnten eine Studentin befragen und sie erzählte uns einiges zu ihren Bildern. Dazu gab es Freibier und –wein. Jetzt weiß ich auch, wo die Studiengebühren so hin fließen : )
Geht hin und schaut es euch an - lohnt sich auf jeden Fall.

Wie aus den Yeah Yeah Yeahs die No No Nos wurden



Die Idee war super. Da Claudi ja erstmal für ein paar Wochen in New York sein würde, wollten wir uns noch mal sehen und verabschieden. Und wo könnte man das besser tun, als beim Rocken auf einem Konzert. Montag waren die Yeah Yeah Yeahs in der LMH, Claudi hatte Karten und wir hörten noch mal in die neue Platte rein. Schon bei den Vorbands tummelten sich einige Leute, die wir schon von den Babyshambles kannten. Als die YYYs anfingen klangen sie nach Shredder-Metal mit Frauengekreische. Ziemlich übel also. Aufregen wollten wir uns nicht, also gingen wir nach Hause. Wir waren nicht die einzigen, deren Ohren fast bluteten. Also, falls die Band mal in eurer Nähe ist, auf gar keinen Fall hingehen, verbringt den Abend lieber auf dem Sofa!

Venedig 21.-24.05.

Wir kommen an und sind so guter Dinge, dass wir beschließen, zu Fuß zu unserer Herberge zu laufen. Kann ja nicht so weit sein. Treppe rauf und wieder runter – der Rücken wird unterm Rucksack immer nasser. Wir durchqueren mindestens vier Stadtviertel bis mir mal etwas bekannt vorkommt. Die ganze Zeit sind wir abseits des Canal Grande unterwegs. Aber da vorne – da muss doch die Rialtobrücke kommen. Und das tut sie auch. Irgendwie finden wir dann auch noch das Hostel. Wir hoffen darauf, dass wir das Vierbettzimmer für uns allein haben. Aber es kommt noch viel besser! Es gibt gar kein Zimmer für uns. Da gibt es wohl ein kleines Problem und der Typ vom Hostel hat die Nerven, uns noch mal quer durchs Städtchen in ein Hotel zu schicken. Nasser können wir ja nicht mehr werden, also weiter.
Nach Stunden harten Marsches kommen wir endlich an und es gibt tatsächlich ein Hotel Astoria mit zwei winzig kleinen Sternchen. Es liegt super zentral, man hat einen schönen Ausblick und es riecht auch nur minimal nach Käsefüßen. Die Rezeption sieht schon klasse aus, sehr retro und alles original Zustand aus der Epoche der Neoklassizistischen Geschmacklosigkeit. Unsere Suite liegt im dritten Stock. Nachdem es hier ein bisschen mehr müffelt desinfizieren wir erstmal alles und lüften gut durch. Gute Idee, die Schlafsäcke mitgenommen zu haben. Dann wird geduscht und wir atmen auf, dass wir nicht am Rande eines Kanals im Koffer schlafen müssen.
Da wir seit dem Frühstück nichts gegessen haben suchen wir uns eine nette Osteria in einem Hinterhof. Wie wir dahin gekommen sind, wissen wir auch nicht mehr so genau. Der erste Spritz lässt mich fast vom Stuhl kippen und tötet neben meinen auch noch Lauras Geschmacksnerven nach einem Probeschluck. Lange können wir uns nicht aufhalten, das luxuriöse Sternehotel zieht uns magisch an.
In der Einschlafphase nuschelt Laura noch ein paar unverständliche Brocken, ratzt aber dann schnell ein. Ich muss Benjamin Blümchen hören und feststellen, dass er eine blöde Kuh ist. Während Laura selig schlummert drehe ich mich von einer Seite auf die andere. Sie kommt immer näher und will mich wohl aus dem Bett drängen. Irgendwann kann ich aber auch einschlafen. Morgens um fünf oder sechs werde ich wieder wach. Ich befürchte, dass gurrende Ekeltauben auf dem Fenstersims sitzen und uns nur der Fensterladen trennt. Ich ekle mich leise. Dann fangen auch noch Menschen auf der Straße an zu singen und rufen. Ich habe Zeit für mich und bemerke, dass sich mein Rücken dank des tollen Bettes kaputt anfühlt. Irgendwann klingelt der Wecker und erlöst mich. Auch Laura hat so ihre Probleme mit dem Aufstehen, morgen braucht sie sicher eine neue Wirbelsäule.
Lecker Frühstück. Aufbackbrötchen mit Nutella, dazu ein Glas Wasser. Da unser Taschengeld nicht so riesig ist, fahren wir mit dem Vaporetto zum Supermarkt, der hat aber heute Inventur. Wie gut, dass ich vier Supermärkte hier kenne. Also noch mal aufs Bötchen. Bei Billa kriegen wir dann Brot, Käse, Schinken, Obst, Wasser und natürlich Lemonsoda. Das bringen wir mit dem Boot schön nach Hause und da es mittlerweile Mittag ist, picknicken wir im trauten Heim.
Frisch gestärkt laufen wir zur Anlegestellen San Zaccharia. Von dort aus geht’s über den Canal Grande zum Bahnhof. Vom Boot aus hat man eine tolle Sicht auf Santa Maria della Salute, Ca´ d´Oro, Accademia, Rialto… Vom Bahnhof aus gehen wir zu Fuß durch das Ghetto Nuovo, indem heute noch die jüdische Gemeinde Venedigs lebt. Dann geht’s durchs Castello-Viertel und durchs Rialto zurück nach San Marco. Unterwegs beobachten wir eine Demo gegen das Mose-Projekt auf dem Wasser. Es herrscht ein riesiges Aufgebot an schwer bewaffneten Carabinieri, die mit Schlagstöcken und Maschinengewehren doch recht lächerlich aussehen.
Am Abend gönnen wir uns noch eine Fahrt über den Canal und trinken am Ufer Wein. Müde fallen wir ins Bett und hoffen auf eine bessere Nacht.
Wir müssen zeitig raus, da wir heute mit Anne verabredet sind. Um halb zwölf kommt sie mit dem Zug aus Trento an. Zuvor frühstücken wir auf der Bahnhofstreppe mit Blick aufs Wasser. Noch schöner ist aber, dass wir ganz viele Leute beobachten können. Ein kleiner Junge zieht unseren Blick auf sich. Ich ernte einen grimmigen Blick von ihm als ich versuche ihn anzulächeln. Dann guckt er Laura auch ganz böse an. Später versuchen wir es mit Zunge rausstrecken, aber das diabolische Kleinkind findet das gar nicht lustig und reißt fast seinen Buggy entzwei. Hauptsache wir hatten was zu lachen.
Mit Anne schippern wir durch die Lagune, zeigen ihr kurz unser Domizil und machen uns dann auf den Weg zum Lido. Im Hotel entwenden wir kurzerhand die Badetücher, da wir keine richtige Strandausrüstung haben. Wir überqueren den Lido und sind endlich am Meer. Dort bohren wir unsere Zehen in den Sand, schließen die Augen und genießen das Meeresrauschen. Wunderbar. Da Anne heute wieder zurück muss und noch 3 ½ Stunden Fahrt vor sich hat, begeben wir uns früh genug zurück in die Stadt. Im Cannarégio-Viertel finden wir eine kleine Bar und genehmigen uns ein, zwei Proseccöchen. Wir sind die einzigen Touristen hier und freuen uns, dass Örtchen entdeckt zu haben. Anne stecken wir pünktlich in den Zug, fahren duschen und drehen abends noch ein kleines Ründchen. Die ganze frische Luft macht müde und deshalb gibt’s abends italienischen MTV im Bett. Um zwölf sind unsere Augen zu und wir erfahren erst am nächsten Tag, dass die arme Anne noch immer im Zug saß.
Am nächsten Morgen checken wir aus und zahlen viel weniger als alle anderen, die das Hotel mit Absicht gebucht hatten. Dann heißt es Schüss sagen. Eine letzte Fahrt mit dem Vaporetto und so führt uns der Königsweg eben auch wieder nach Hause. Aber auch jetzt weiß ich, dass ich wiederkommen werde.